Schrattenhöhle- Tour

Meine zweite Höhlentour ist wieder ein ganz besonderes Erlebnis mit viel Action und Spass. Ich habe das Glück, diese spezielle Tour in Begleitung meiner Kollegin mit einem sehr motiviertem und fachkundigen Höhlenforscher zu erleben.

Wir treffen uns in Sarnen beim Parkplatz Ei. Dieser befindet sich in der Nähe des Bahnhofes und ist ein guter Treffpunkt, wenn man mit dem Auto anreist. Von Dort aus kann man mit dem Auto ins Melchtal weiterfahren. Von Dort geht es normalerweise mit der Bahn auf die Stöckalp. Weil die offizielle Sommersaison noch nicht begonnen hat und die Bahn noch nicht in Betrieb ist, mussten wir uns vorher eine Sonderbewilligung besorgen, um die Strasse auf die Alp benutzen zu dürfen. Diese ist zeitlich begrenzt nur jeweils in eine Richtung befahrbar, da wir bei Gegenproblem auf dieser engen und kurvenreichen Strasse echt ein Problem hätten.

Eigentlich war geplant, dass wir noch etwa 90 Minuten zu Fuss durch das Karstgebiet marschieren. Weil es aber immer wieder stark regnet, sind wir dann direkt zum Stollen gefahren. In diesem Stollen verläuft die Wasserleitung des Wasserwerkes oben vom See bis ins Tal hinunter. Hier kommen wir natürlich auch nur mit vorherigen Anmeldung und einem passenden Schlüssel rein. Aber drinnen ist es trocken und wir können uns hier umziehen. Für diese Höhlentour braucht es vor allem ein robustes Overall, Thermowäsche für drunter, Helm mit gutem Licht, Handschuhe, Klettersteigset, Klettergurt, Gummistiefel, Knie- und Ellbogenschoner (von Vorteil). Das Nötigste, wie Trinken, etwas kleines zum Essen und einen reserve Pullover packen wir in einen Höhlenrucksack, der Rest können wir hier deponieren. In der Höhle ist es das ganze Jahr hindurch etwa 4-6 Grad kalt und die Luftfeuchtigkeit beträgt fast 100 %. Darum ist es wichtig, dass wir nicht frieren und auch nicht schwitzen. Wir werden ziemlich nass und schmutzig werden, aber das gehört zu einer Höhlentour dazu.

Wir spazieren ein Stück im Stollen, bis wir zu einem abgesperrten Bereich kommen. Dort führ eine kleine Tür zu Höhleneingang. Der Einstieg ist schon eine kleine Herausforderung, denn wir kommen nur auf allen Vieren kriechend durch das Enge Loch. In der Höhle angekommen, scheint es so, als gebe es keine Möglichkeit, weiterzukommen. Aber zum Glück kennt sich unser Führer bestens aus und wir müssen zuerst einmal eine sehr Enge Stelle zwischen zwei Felsen durchdringen. Stellenweise geht das nur kriechend und das blöde ist, dass am Boden ein 3-5 cm tiefes Bächlein flliesst und wir auch noch durch einen kleinen Wasserfall leicht geduscht werden. Weil wir nicht jetzt schon nass werden wollen, versuchen wir möglichst den Felsen entlang zu gehen.

Danach können wir wieder ein Stück weit aufrecht gehen, aber es stehen uns immer wieder grosse Felsbrocken im Weg, die wir irgendwie überwinden müssen. Unsere Gummistiefel greifen erstaunlich gut auf den feuchten und teilweise nassen Steinen.

Aber dann kommen auch ein paar Kletterabschnitte, wo wir uns an einem festinstalliertem Seil mit unserem Klettersteigset sichern müssen. Das ist auch besser so, denn hier gibt es teilweise keine feste Tritte für die Füsse an der Felswand. Und hinter uns geht es ziemlich tief hinunter, also müssen wir aufpassen, dass wir nicht stürzen. Aber auch hier geht alles gut, ich liebe solche Kletterstellen. Aber das war noch nicht das Schwierigste. Zuerst geht es entspannt eine Leite hoch und es folgt wieder eine schöne Kraxlerei über und unter Felsen hindurch, bis zu einem Punkt, wo wir uns mit einem Seil hochziehen müssen. An einem schönen Platz machen wir dann eine kurze Pause, um uns etwas zu stärken und etwas zu trinken. Wenn wir uns nicht bewegen, spüren wir bald einmal die Kälte und die hohe Luftfeuchtigkeit hier. Jetzt kraxeln wir noch ein kleines Stück weiter, bis wir zum Höhlenbuch kommen, wo wir uns natürlich auch noch verewigen möchten.

Für den Rückweg ist eigentlich alles in umgekehrten Reihenfolge geplant. Weil es aber heute ziemlich viel Wasser in der Höhle hat, versuchen wir eine kleine Abkürzung, welche sonst nur für Höhlenforscher zugelassen wird.

Irgendwann kommen wir dann zu einem grösseren Wasserfall und wir sind die ersten und einzigen Touristen, die ihn überqueren dürfen. Das hat auch seinen Grund, denn es ist nicht ganz ungefährlich und wir können uns hier nicht mit Worten verständigen, denn das Rauschen des Wassers ist sehr laut. Unser Führer erklärt uns ganz genau, auf was wir achten müssen und geht erst mal vor, um von oben ein Seil runterzulassen, damit er uns beim sehr steilen Aufstieg sichern kann. Jetzt liegt es an uns, ob wir mutig genug sind, über und dann in den Wasserfall zu gehen und dort ein Stück hochzuklettern, wo uns ein steiler Aufstieg erwartet. Aber wir schaffen es und sind nur ein bisschen nass geworden. Der Aufstieg ist tatsächlich nicht ganz einfach und es geht sehr tief runter hier. Da sind wir froh, dass wir etwas Klettererfahrung haben und schaffen auch diese Herausforderung.

Dann geht es wieder denselben Weg zurück, den wir gekommen sind. Aber in umgekehrten Reihenfolge sind manche Stellen viel schwieriger zu bezwingen. Wo wir vorher einfach auf dem Füdli runtergerutscht sind, müssen wir jetzt irgendwie wieder hochkommen. Und auch die engen Stellen sind natürlich immer noch da. Immerhin ist es kurz vor dem Ausgangspunkt nicht mehr schlimm, wenn wir nass werden. Meine Stiefel sind mit Wasser gefüllt, aber es ist alles gut und wir sind sehr gespannt, wie das Wetter draussen ist. Wie wir schon anhand des Wassers in der Höhle vermutet haben, hat es aufgehört zu regnen und es zeigt sich sogar leicht die Sonne.

Wir wechseln die Nassen Kleider gegen trocken und merken langsam, wie anstrengend die ganze Kraxlerei war. Leider müssen wir uns dann schnell wieder auf den Weg machen, weil wir das Zeitfenster für die Zufahrtstrasse einhalten müssen. Aber wir schaffen es gerade noch und gönnen uns zum Abschluss noch gemeinsam ein Kaffee, bevor es dann wieder nach Hause geht.

Diese Höhlentour wird nur selten für Touristen angeboten. Darum war das für mich sicher ein ganz spezielles Erlebnis, welches ich nie vergessen werde.

Offiziell war die Zufahrtstrasse zu diesem Zeitpunkt wegen Sanierungsarbeiten noch geschlossen und nur wenige Tage zuvor war der Eingang zum Stollen noch mit dichtem Schnee zugeschüttet. Die Bewilligung erhielten wir erst zwei Tage vor dem geplanten Termin.

Dank der Mühe und dem motivierten Einsatz vom Höhlenforscher Martin Trüssel, durften wir dieses ganz besondere Höhlenerlebnis und die Einblicke in die Arbeit eines Höhlenforschers erleben.

Datum: 21. Mai 2024
Dauer in der Höhle: ca. 4 Stunden
Ort: Melchsee- Frutt

Die Schrattenhöhle

Die Schrattenhöhle ist eine Karsthöhle auf Melchsee-Frutt in der Gemeinde Kerns im Kanton Obwalden in der Schweiz. Das bisher erforschte Höhlensystem hat eine Gesamtlänge von 19'725 Metern und ist damit die sechstlängste Höhle der Schweiz.
Die Erforschung der Schrattenhöhle nahm Martin Trüssel 1984 gemeinsam mit seinen drei Brüdern auf. Zusammen mit ihren späteren Forschungskameraden entdeckten sie im Laufe der Jahre 20km Höhlengänge, bis zu 100 m tiefe Schächte und mehrere unterirdische Wasserläufe. Verschiedene Forschungsprojekte wurden von der NeKO-Stiftung initiiert. Die Höhle hat viele Eingänge und ist für interessierte Forscher zugänglich. Vermutlich gibt es noch viele weitere Gänge, die darauf warten, entdeckt zu werden. Aber laut Martin Trüssel, soll das die Aufgabe der nächsten Höhlenforschen- Generation sein, denn diese Höhle wird vermutlich auch noch in 1oo Jahren existieren.